Game Over (AT)
Ausgangspunkt des Projekts ist die Frage, wie Widerstand erinnert wird – und wer als widerständig gilt. Öffentliche Geschichtsbilder konzentrieren sich häufig auf einzelne historische Ereignisse und auf weiße, cis-männliche Perspektiven, während alltägliche Formen politischer Gegenwehr unsichtbar bleiben: Migration aus politischer Notwendigkeit, Organisierung im Exil, solidarische Netzwerke oder das Weitergeben von Erfahrungen innerhalb von Familien.
In Dortmund, insbesondere in der Nordstadt, verdichten sich solche Geschichten. Der Stadtteil ist seit Jahrzehnten Ankunftsort für Menschen, die aufgrund ihrer politischen Haltung verfolgt wurden. Daraus entwickelte sich ein prägender Teil der Ruhrgebietsgeschichte, geprägt von migrantischen Arbeiter*innenkämpfen und antifaschistischer Selbstverteidigung.
Das Projekt versteht diese Erfahrungen nicht als abgeschlossene Vergangenheit, sondern als gegenwärtige Praxis. Erinnerungen erscheinen weniger als historische Dokumente denn als Handlungswissen: Wie organisiert man Schutz? Wie entsteht Solidarität? Was bedeutet Widerstand im Alltag? Gemeinsam mit überwiegend queeren und migrantischen Teilnehmenden entsteht ein Raum für Austausch und kollektives Arbeiten. Die Beteiligten gestalten Auswahl und Darstellung selbstbestimmt mit. So verdichten sich individuelle Erfahrungen zu einer vielstimmigen Gegenwartserzählung von Widerstand, die aktuelle gesellschaftliche Fragen verbindet und kulturelle Teilhabe stärkt.