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Andere Begriffe, aber ähnliche Gefühle

Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke

Andere Begriffe, aber ähnliche Gefühle

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Interkultureller Kalender 2022

Der Interkulturelle Kalender feiert die einzigartige Vielfalt des Ruhrgebiets. Mit der Edition 2022 stellen wir jeden Monat Akteur:innen vor, die das kulturelle Leben im Ruhrgebiet mitgestalten. Im Dezember hat Johanna-Yasirra Kluhs mit Miriam Yosef, Fatima Çalışkan, Tijen Atkaya und Ana Maria Sales Prado vom Salon der Perspektiven über Expert*innendefizite in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und Kompliz*innenschaft als Form des Widerstands gesprochen. Das vollständige Interview findet sich in der Publikation „Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-2021“.

Der Salon der Perspektiven ist ein mobiler Ort des Denkens für neue Formen der Zusammenarbeit, der Solidarität und des Austauschs in Kunst und Wissenschaft. 2018 wurde der Salon als Zusammenschluss für mehr Empowerment und Repräsentanz marginalisierter Perspektiven gegründet. Heute versteht er sich als Initiative zur künstlerischen Erforschung und Sichtbarmachung von Machtdynamiken in künstlerischen und wissenschaftlichen Berufen innerhalb der Dominanzgesellschaft. Dabei verfolgt er einen queerfeministischen und intersektionalen Ansatz. Er arbeitet hierarchiearm und basisdemokratisch, Aufgabenbereiche fließen ineinander. Seine Arbeit wurde von Anfang an von Interkultur Ruhr unterstützt.

Johanna-Yasirra Kluhs (JYK): Was findet ihr darin, euch als Frauen zu organisieren?

Miriam Yosef: Den Salon sehen wir als geschützten und empowernden Raum für uns, in dem wir einfach zusammenarbeiten können. Es macht einen Unterschied, dass wir ohne die Anwesenheit von cis-Männern sprechen und arbeiten können. Alle Beiträge im Magazin kommen von FLINT: of color. Aber die Inhalte richten sich nicht nur an diese Zielgruppe, sondern können von jeder Person gelesen werden und das ist auch unser Wunsch. Es soll auch an die Mehrheitsgesellschaft gerichtet sein: als Appell.

Fatima Çalışkan: Wir haben schon eine Audience, die der gleichen Generation oder dem gleichen Milieu wie wir angehört. Klassismus ist für uns ein Thema, oder alles, was den Begriff ›People of Color / PoC‹ angeht. Wenn ich meinen Vater fragen würde, würde er wahrscheinlich nie im Leben sagen: »Ja, ich bin Herr DHLPaketbote of color.« Er würde andere Begriffe verwenden und hat aber ähnliche Gefühle wie eine Person, die sich als PoC bezeichnet.

JYK: Diesen Anspruch von einer kritischen Verbundenheit, den kann man auch Kompliz*innenschaft nennen. Durch das Magazin habt ihr noch ganz viele andere Positionen und Überlegungen zum Thema Kompliz*innenschaft aufgenommen. Was war das für ein Prozess?

Tijen Atkaya: Nachdem wir den Call veröffentlicht hatten, erhielten wir viele Bewerbungen und großen Zuspruch. Sehr individuelle, biografische Texte, wissenschaftliche Essays, Prosa, Lyrik, Illustrationen, Zeichnungen, Fotografien und Collagen, in denen eine Vielfalt an kritischen Stimmen abgebildet wird. Für uns war es sehr interessant zu lesen, was Kompliz*innenschaft als solidarische Mittäter*innenschaft bedeuten kann.

Ana Maria Sales Prado: Eine zentrale Frage ist für uns auch immer, wie wir den Salon für andere öffnen und als Kompliz*innen agieren können. Nicht nur, indem andere am Salon mitwirken, sondern auch, indem wir uns mit anderen Projekten und Initiativen austauschen. Gerade jetzt, im digitalen Raum, bleibt diese Frage spannend.

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Die gedruckte Version des Interkulturellen Kalenders 2022 ist leider vergriffen. Eine digitale Version (pdf) zum Herunterladen gibt es >> hier. Das vollständige Interview findet sich in der Publikation „Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-21“.

>> Interkultureller Kalender 2022

>> Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-21

Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke
Salon der Perspektiven YallahAusstellung, atelier automatique, Bochum 2020. Foto: Eva Busch
Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke
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