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Faţadă / Fassade: Ausstellung, Gespräch und Werkstattparty

Do. 12.09.2019, 15:00 Uhr

Das Leben im Ruhrgebiet hat viele Formen. Ein neues architektonisches Zeichen in der Dortmunder Nordstadt macht diese kulturelle Vielfalt jetzt im Straßenbild sichtbar.

Fassade, Modell

Über ein Jahr lang haben Anwohner*innen aus der Roma-Gemeinschaft des Dortmunder Nordmarkts in einer neu gegründeten Werkstatt Modelle zur Gestaltung einer Hausfassade in der Nachbarschaft entwickelt. Inspiriert sind die Modelle von den fantastischen Bauformen, die Roma-Familien seit vielen Jahren in Dörfern und Straßenzügen Rumäniens realisieren. Einer der Entwürfe wird im Sommer 2019 gemeinschaftlich an einem Wohnhaus in der Schleswiger Straße 31 umgesetzt.

Seinen Anfang nahm das Projekt 2016 mit einer Recherche-Reise nach Rumänien, die eine Gruppe von Roma, Akteur*innen und Künstler*innen auf Einladung von Interkultur Ruhr unternahmen. Auch dort werden Roma heute systematisch diskriminiert, leben abgedrängt, meist in provisorischen Behausungen hinter den Industriezonen jenseits der Städte und Dörfer. Ein außerhalb Rumäniens nahezu unbekanntes Phänomen ist die spezifische Bauweise der rumänischen Roma, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat, mit ihrer originellen architektonischen Farb- und Formensprache.

Anschließend an die Recherche konnte 2017 eine Werkstatt am Dortmunder Nordmarkt für das Projekt eingerichtet werden, um gemeinsam mit Akteur*innen aus Roma-Gemeinschaften im Ruhrgebiet der Frage nachzugehen, wie ein selbstbewusstes Zeichen ihrer Kultur sichtbare Gestalt im Stadtraum annehmen könnte. Schließlich entstand die Idee, in gemeinschaftlicher Arbeit eine Hausfassade in unmittelbarer Nachbarschaft nach dem Vorbild der Häuser in Rumänien umzugestalten.

Das neue architektonische Zeichen, das die Dortmunder Community auf ungewohnte Weise im Stadtbild repräsentiert, durchbricht weit verbreitete Vorstellungen von Wohn- und Lebensformen einer gesellschaftlichen Gruppe, die oft unter extrem prekären Umständen leben muss und immer noch in hohem Maße von Marginalisierung und Stigmatisierung betroffen ist. Modellhaft stellt die Fassade die Frage nach Deutungshoheiten, nach Mitspracherecht bei der Stadtgestaltung und Möglichkeiten der Teilhabe in einer diversen Stadtgesellschaft.  

Im Rahmen des Familienfests des Roma Kulturfestivals Djelem Djelem am 12. September 2019 auf dem Dortmunder Nordmarkt laden die Akteur*innen der Werkstatt ein, die Fertigstellung der Fassadengestaltung gemeinsam zu feiern.

 

Ausstellung und Gespräch
15:00 Uhr, Mallinckrodtstraße 57
Gespräch zum Projekt mit Künstler*innen, Förderern und Beteiligten; Ausstellung der Modelle und Besuch der neu gestalteten Hausfassade

Während des Djelem Djelem-Familienfests: Spaziergänge zur Fassade in der Schleswiger Straße

Werkstattparty
18:30 – 22:30 Uhr, Mallinckrodtstraße 57
Gemeinsames Feiern, Grillen und Tanzen mit den Akteur*innen der Werkstatt

Der Eintritt ist frei.

 

Über die Werkstatt: Ausgehend von der Gruppe um Alex, Memo, Constantin, Christoph und Mathias sind seit 2010 bereits mehrere Projekte in Europa entstanden. Beispielsweise dient das „Hotel Gelem“ zusammen mit Roma-Communities in ganz Europa als Interface, um Formen der Stigmatisierung und Sprachlosigkeit zu adressieren. Das „#GLM“ (Grassroots Local Meshnet) baut Kommunikationsnetzwerke in Nachbarschaften auf. Interkultur Ruhr hat die  Künstler*innen 2016 zu einer Recherche eingeladen. Daraus ist das Projekt „Fassade. Von Repressionen und Repräsentationen im Stadtraum“ entstanden. www.wachter-jud.net

Über Djelem Djelem: 2019 bringt das Festival „Djelem Djelem" bereits zum 6. mal Alteingesessene und Neuzugewanderte zusammen. Die vielfaltigen Roma-Kulturen werden in Musik, Theater, Film und Tanz erlebbar gemacht, Diskussionen regen zum Meinungsaustausch an. Das Festival „Djelem Djelem" mit über 30 beteiligten Partnern setzt ein deutliches Zeichen gegen jahrhundertealte Vorurteile, gegen Antiziganismus und neu belebte Feindbilder. Es wirbt für ein unverkrampftes Miteinander und den kulturellen Austausch. Inzwischen ist das Festival auch jenseits der Dortmunder Nordstadt zu einer festen kulturellen Größe in Dortmund und dem gesamten Ruhrgebiet geworden. www.depotdortmund.de

Über GrünBau: Die GrünBau GmbH ist ein sozialer Berufshilfebetrieb in der Dortmunder Nordstadt, der 1990 aus dem Beschäftigungsprojekt „Bauteam grüne Nordstadt“ des Planerladen e.V. hervorgegangen ist. Gesellschafterin ist die Stiftung Soziale Stadt. Zum Stammpersonal gehören mittlerweile 250 Personen unterschiedlichster Berufe. Zusätzlich werden 600 Berufshilfe- und Betreuungsplätze für Langzeitarbeitslose und Jugendliche bereitgestellt. Im Rahmen des Projekts „Fassade“ stellt GrünBau die Räume zur Verfügung, in denen die Werkstatt eingerichtet wurde und übernimmt technische Aufgaben bei der künstlerischen Fassadengestaltung. www.gruenbau-dortmund.de