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Die Leerstellen gestalten. Ein Gespräch mit Eva Busch (atelier automatique), Guy Dermosessian (Kalakuta Soul Records) und Abdou Diamé (Teranga Bochum e.V.)

Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke

Die Leerstellen gestalten. Ein Gespräch mit Eva Busch (atelier automatique), Guy Dermosessian (Kalakuta Soul Records) und Abdou Diamé (Teranga Bochum e.V.)

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Interkultureller Kalender 2022

Der Interkulturelle Kalender feiert die einzigartige Vielfalt des Ruhrgebiets. Mit der Edition 2022 stellen wir jeden Monat Akteur:innen vor, die das kulturelle Leben im Ruhrgebiet mitgestalten. Im September hat Fabian Saavedra-Lara mit Eva Busch, Guy Dermosessian und Abdou Diamé aus Bochum über den Begriff „Interkultur“ gesprochen. Das vollständige Interview findet sich in der Publikation „Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-2021“.

Eva Busch ist freie Kuratorin und Kulturarbeiterin aus Bochum, interessiert sich für machtkritische Erinnerungsarbeit, Differenz und Möglichkeiten des Gemeinsamen. Sie ist mit ihrer Praxis vor allem im atelier automatique verortet.

Guy Dermosessian ist in Beirut geboren. Er ist DJ, Gründer des Musiklabels  Kalakuta Soul Records, Mitgründer des BIPOC Space Amalopa und als Künstler und Kurator tätig. Seit 2019 leitet er die Abteilung Diversity am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Der DJ, Musiker und Veranstalter Abdou Diamé alias D’Jammeh kam Mitte der 1990er Jahre aus Paris nach Berlin und ist seit 2000 mit diversen künstlerischen und kulturellen Formaten schwerpunktmäßig in NRW unterwegs.

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Fabian Saavedra-Lara: Welche Bedeutung hat das Label Interkultur für Euch?

Eva Busch: Ich habe den Begriff noch nie verwendet, um meine Arbeit zu beschreiben, zumindest erinnere ich mich nicht daran. Höchstens könnte ich sagen, dass die Arbeit hier im atelier interkulturell ist, wenn man davon ausgeht, dass sie Menschen irgendwo zwischen bürgerlichem Jazzpublikum und Fantifa anspricht. Und vielleicht liegt darin auch etwas Interkulturelles? Was für mich in dem Begriff natürlich mitschwingt, ist, dass unsere Gesellschaft eine durch Macht strukturierte ist. Und eine Auseinandersetzung mit Ausschlussmechanismen und verschiedenen Diskriminierungsformen prägt meine Arbeit hier auf jeden Fall auch. Das ist auch von einem ständigen Scheitern und Versuchen und immer wieder Neuüberlegen geprägt, um am Ende ganz überraschend anders zusammenzukommen.

Abdou Diamé: Ich benutze dieses Wort Interkultur, weil es darauf hinweist, die Vielfalt der Kulturen und die Differenz zu erkennen. Und das ist in Netzwerken wie dem von Interkultur Ruhr wichtig. Ich sage immer, Kultur ist keine Einbahnstraße, wo du weißt, in welche Richtung es geht. Von daher finde ich das ein sehr interessantes Ding, oder? Man muss auch sagen, dass sich viel verändert hat im Vergleich zu früher. Es gibt viel mehr kritisches Bewusstsein der Menschen als vor, sagen wir mal, 30, 40 oder 50 Jahren. Von daher habe ich keine Hemmung, dieses Wort zu benutzen, denn es gehört zu unserem Alltag heutzutage.

Guy Dermosessian: Ich habe mit dem Begriff sehr viele Berührungspunkte in verschiedenen familiären und beruflichen Konstellationen. Und ich habe sehr viel mit dem Begriff gestruggelt, bis ich ihn einmal so für mich auseinandergenommen habe, dass es mir gelingt, das, was Interkultur beschreibt, als Leerstelle zu sehen, die es zu gestalten gilt, nicht als Zwang. In einem sehr langen Gespräch habe ich vor einem Jahr festgestellt, dass die Perspektive von Menschen, die in der zweiten, dritten Generation hier sind, nicht immer unmittelbar vergleichbar ist mit der von Menschen der ersten Generation. Ich sehe es an meinen Kindern, dass ich mich von ihrer Perspektive überraschen lassen kann. Irgendwann schaltete bei mir die Ablehnung des Begriffs um, hin zu einer Aneignung, und zwar auf einer Ebene, in der wir kollektiv mitgestalten können, wie dieser Begriff für uns funktionieren kann. Also ein ›sowohl als auch‹. Und das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, weil ich wiederentdeckt habe, dass ich mich nicht immer in einem Kampf befinde, sondern mir diesen Raum nehmen kann, um selber wieder imaginieren zu können.

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Die gedruckte Version des Interkulturellen Kalenders 2022 ist leider bereits vergriffen. Eine digitale Version (pdf) zum Herunterladen gibt es >> hier. Das vollständige Interview findet sich in der Publikation „Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-21“.

>> Interkultureller Kalender 2022

>> Worauf wir uns beziehen können. Interkultur Ruhr 2016-21

 

Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke
Interkultur Ruhr und Coméme Records, in Kooperation mit Kalakuta Soul Records: „Off the record“ / Listening Session #1 mit Ernesto Chahoud und Jannis Stürtz, Bochum 2017. Foto: Guido Meincke
Interkultureller Kalender 2022. Foto: Guido Meincke
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