Workshop: Hast du schon gegessen?
Hast du schon gegessen? Have you eaten yet? Ăn cơm chưa? - eine Frage, die nicht nur buchstäblich verstanden und beantwortet werden kann, sondern in der für viele diasporische Communities noch viel mehr steckt: Fürsorge, Zugehörigkeit und kulturelle Identität. Die Frage steht stellvertretend für eine kollektive Sorgepraxis, die soziale Bindungen lebendig hält und Nähe schafft, auch wenn geographische Distanzen trennen. Esskultur ist in der Diaspora deshalb nicht nur Ernährung, sondern ein verkörpertes Archiv von Geschichten, Erinnerungen und Sorgepraktiken. Sie wird oft nicht aufgeschrieben, sondern durch Beobachtung, Gesten, Erzählungen oder geteilte Mahlzeiten weitergegeben.
Im Workshop „Hast du schon gegessen?“, der im Rahmen der Ausstellung "Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit" stattfindet, wollen wir zusammen mit Kim Hà Tran & Michelle Phạm diesen Geschichten nachspüren und sammeln, was Esskultur in der Diaspora bedeutet. Im Laufe des Workshops wird eine kollektive Tischdecke erarbeitet, die im Austausch miteinander persönliche Geschichten, Gedanken und Rezepte dokumentiert, um durch die Sammlung und den Austausch individueller Erfahrungen in der Diaspora, widerständige und selbstbestimmte Essenspraktiken zu fördern.
Der Workshop richtet sich an Menschen mit Migrationsgeschichte und findet auf deutscher und englischer Lautsprache statt. Die Materialien, mit denen wir arbeiten, werden auf Deutsch und Englisch zur Verfügung gestellt.
Anmeldung unter jrehrmann@stadtdo.de
Die Teilnahme ist kostenfrei.
„Geteilte Welten: Dinge der Verbundenheit“ ist ein Projekt des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und vom Förderfonds Interkultur Ruhr 2025.
Ein Projekt im Rahmen von KOMMEN BLEIBEN GEHEN – Kreative Projekte an temporären Orten. Projektleitung: Jessica Rehrmann.
Kim Hà Trần und Michelle Phạm sind die Initiatorinnen des Workshops. Ihr Wissen zu Essen in der Diaspora und vietnamesischen Gastronomien wird durch autobiografische Erfahrungen geprägt, die sie mit vielen weiteren Menschen mit vietnamesischen Bezügen teilen. Als sogenannte Gastro-Kinder, die in Deutschland aufgewachsen sind, entwickelten Kim Hà und Michelle 2024 die Idee, selbstbestimmt Wissen aus der viet-deutschen Community zu sammeln, da Wissen zu vietnamesischem Essen und der Esskultur oftmals stereotypisiert und mit rassistischen Zuschreibungen konnotiert wird.
Kim Hà Trần (sie/ihr) arbeitet an Projekten an der Schnittstelle zwischen Architektur, Urbanismus und Machthierarchien, wie Umweltgerechtigkeit und Rassismus. Dabei interessieren sie u.a. Auswirkungen von Planungsentscheidungen auf marginalisierte Gruppen in Transformationsprozessen.
Michelle Phạm (sie/ihr) ist Kommunikationsdesignerin, die in ihrer Arbeit vor allem für kulturelle und soziale Einrichtungen gestaltet. Daneben beschäftigt sie sich im momentanen Masterstudium mit dem Spannungsfeld von Design, Gesellschaft und Öffentlichkeit und setzt u.a. in diesem Rahmen Projekte um, die die Gestaltung von niederschwelligen Begegnungsräumen in den Fokus setzt.




